Chronik

1950
Zum Deutschlandtreffen 1950 übertrugen die Sender des DDR-Rundfunks „Berliner Rundfunk“, „Deutschlandsender“, „Sender Leipzig“ Sonderprogramme vom „Friedensfest der Jugend“.

Quelle: „Junge Welt“, 23.05.1950 | „Nachtexpreß“, 26.05.1950

1964
15.05.1964 – 5 Uhr, eine Sonderredaktion des Rundfunks der DDR sendet 99 Stunden bis 19.05.1964 um 8 Uhr als „Sonderstudio Deutschlandtreffen“ nonstop vom Deutschlandtreffen der Jugend (DT64) eine Art Serviceprogramm für die Teilnehmer und Gastgeber. Die Tageszeitung „Neue Zeit“ schreibt am 15.05.1964 zu den Frequenzen: „Von heute bis zum Dienstag strahlt er ohne Pause auf der Mittelwelle 611 kHz und der Ultrakurzwelle 95,8 MHz sein Programm aus.“

Quelle: „Neue Zeit“, 15.05.1964

In der Bezeichnung des Programms bürgerte sich die Kurzform „DT64“ ein.
„Sechs Schnell-Reportagewagen, eine schwimmende UKW-Station, 20 Sprechstellen für Originalsendungen, ein gläsernes Sonderstudio, eine motorisierte Tanzkapelle, ein Kundendienst, der auf jede Frage antwortete, waren aufgeboten.“ (FF, Nr. 24/1964, S. 3)

Tonbeispiel: Eine der wenigen Aufnahmen, die „überlebt“ haben, wobei nicht ganz klar ist, ob dies, so wie es hier zu hören ist, live ausgestrahlt wurde. Der Beginn der Aufnahme lässt vermuten, dass im Funkhaus (Nalepastraße) die ankommende Leitung einer Sprechstelle aufgezeichnet wurde zur weiteren Bearbeitung. Vielleicht ist es auch nur ein paralleler Sicherheitsmitschnitt des Live-Signals, bei dem immer dann auf Aufnahme gedrückt wurde, wenn eine Liveschalte stattfand. Zu hören sind Reporter Hans Jacobus und der erste FDJ-Vorsitzende (07.03.1946–27.05.1955) Erich Honecker in einem eher belanglosen Interview, hier nur als kurzer Ausschnitt.

Tonbeispiel: Zu hören ist erneut Reporter Hans Jacobus, sowie der Sekretär für Agitation und Propaganda der SED-Bezirksleitung Erich Selbmann und DDR-Generalstaatsanwalt Josef Streit.

Tonbeispiel: Reporter Udo Krause, später spezialisiert als Journalist auf Rechtsfragen bei Radio DDR während einer Demo. Im Hintergrund das Lied „Blaue Fahnen nach Berlin“ von Hanns Eisler, das in der Tonfolge jahrelang die DT64-Senderkennung in verschiedenen Arrangements bildete.

Wie das 99-Stundenprogramm tatsächlich geklungen hat, lässt sich schwer abschätzen. Vermutlich dominierten nicht Demo-Berichte das Programm, weil sonst nicht plausibel wäre, dass sich das Staatliche Rundfunkkomitee unter dem Bruder von Hanns Eisler, Gerhart Eisler mit dem Wunsch der Hörerschaft konfrontiert sah, das Programm als „Jugendstudio DT64“ fortzusetzen.

29.06.1964 – wegen der positiven Hörerreaktion wird sechs Wochen später das Nachmittagsprogramm des Berliner Rundfunks zum Jugendstudio DT64 „umgebaut“. Empfangbar DDR-weit über UKW und MW.
„Der Sender ‚DT64‘, der beim Deutschlandtreffen in aller Munde war, kommt auf Grund noch nie dagewesenen Echos wieder, das in großen Stößen von Hörerbriefen, auf zahlreichen Foren und in vielen Einzeldiskussionen zutage trat. Deshalb wird von nun an das ‚Jugendstudio DT64‘ allwöchentlich 10 Stunden für sein Programm reserviert haben, dessen ‚Machart‘ im Trubel der Pfingsttage gefunden wurde und bei der Jugend ‚ganz groß‘ ankam.“ (Berliner Zeitung, 28.06.1964)


1965
01.06.1965 – neue und verlängerte Sendezeiten: täglich Mo-Fr 16:00 bis 19:00 Uhr


1969
24.09.1969 – Sondersendung „Junge Leute – Junge Lieder“ von 06:35 Uhr bis 07:30 Uhr
„Jugendstudio DT64 präsentiert Lieder zum Jubiläumsgeburtstag der DDR, die auf liebevolle und poetische Weise das Wachsen und Werden des Sozialismus in der DDR und den Alltag der sozialistischen Menschengemeinschaft besingen. (…) Mitwirkende sind der Berliner Oktoberklub, der Singeklub der NVA Neubrandenburg, die Gruppe ‚Pasaremos‘ aus Dresden, der Gerd-Michaelis-Chor, Monika Hauff, Michael Thilo Amft und viele andere.“
(adn, 23.09.1969)


1972
02.01.1972 – erste DT-Metronom-Sendung, eine nationale Hitparade


1973
17.07.1973 – erste DT64-Podiumdiskothek, eine Sendung zum Mitschneiden für „Schallplattenunterhalter“, das DDR-Fachwort für DJ. Das besondere: die Musik-Titel waren für den Einsatz in Diskotheken lizensiert.
Vgl.: „Heiße Sommer, coole Beats“ – Zur populären Musik und ihren medialen Repräsentationen in der DDR, herausgegeben von Sascha Trültzsch und Thomas Wilke, Peter Lang Verlag, 2009, ISBN-13: 978-3631586099


1974
– Die Aktion Soli-Beat entstand auf Initiative vom Jugendpanorama der Neuen Berliner Illustrierten (NBI), DT64 konnte als Partner gewonnen werden.
„Aus dieser ersten Initiative wurde d i e Solidaritätsaktion der Rock- und Popgruppen der DDR. Als sie 1982 zum neunten und zugleich letzten Mal stattfand, standen mehr als 1 Million Spenden der DT64-Hörer zu Buche, eingezahlt auf das Solidaritätskonto der DDR“ (Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, 2/84, S.43)

– Jugendstudio DT64 koordiniert die Berichterstattung vom DDR-Abschnitt der Erdgastrasse (Krementschug-Bar) und organisiert die kulturelle Betreuung vor Ort mit.


1976
– Beginn der „DT64-Jugendkonzerte“

05.06.1976 – Am letzten Tag des X. Parlamentes der FDJ gestaltet DT64 eine Sondersendung zum „Fest der Jugend“ im Palast der Republik von 18:00 bis 23:45 Uhr.


1977
– Eine Sonderredaktion von RBI, Stimme der DDR und DT64 berichtet direkt aus Wolgograd vom „IV. Festival der Freundschaft zwischen der Jugend der UdSSR und der DDR“.


1979
24.05.1979 – DT64-Jugendkonzert: STUDIOORCHESTERSOUND
Veronika Fischer, Uschi Brüning, Regine Dobberschütz, Thomas Natschinski, Thomas Natschinski, Wolfgang Ziegler, Hansi Klemm, Franz Bartzsch (Quelle: Rock in Berlin)


1981
12.01.1981 – Pressemitteilung über die Kooperation der NBI mit DT64 zur Aktion „SoliBeat“ 1981

01.09.1981 – DT64 sendet werktags auf der Berliner UKW-Frequenz 95,05 MHz, später 95,1 MHz ein erweitertes Abendprogramm „Hallo und DT auf UKW“: ab 19:00 Uhr zunächst eigene Nachrichten, im Anschluss die „DT64-Litfaßsäule“, eine ca. 7minütige Programmvorschau und Veranstaltungstipps, danach die Übernahme des Jugendprogramms von „Stimme der DDR“, ab 20:30 Uhr spezielle Magazine wie „Stadtkieker“, „ad libitum – Klassik für junge Leute“, „Songs International – Lieder mit Grips“, „DT64-Songklub“…


23.09.1981 – DT64-Jugendkonzert: PODIUM JUNGER KÜNSTLER des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (Plan)

15.10.1981 – DT64-Jugendkonzert: BLUES-GESCHICHTEN mit Stefan Diestelmann und internationaler Beteiligung (Plan)

11/1981 – Beginn der Reihe „Wissenschaftsforum“, einer Gemeinschaftsaktion mit der URANIA der DDR. Es beantworten an jedem dritten Mittwoch im Monat 4 Experten live Fragen von Hörern.

08.12.1981 – 500. „Metronom“-Sendung


1982
Quelle: „Zugabe – das Magazin zu SoliBeat“

28.01.1982 – DT64-Jugendkonzert: METRONOM LIVE – ein Rockkonzert mit Verleihung des Interpretenpreises 1981 durch das Jugendmagazin „neues leben“ (Plan)

18.02.1982 – DT64-Jugendkonzert: PODIUM JUNGER KOMPONISTEN – eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR (Plan)

01.04.1982 – DT64-Jugendkonzert: KONTRAPUNKTE – Elektronik multimedial (Plan)
Tatsächlich gab es einen „ABEND DES POETISCHEN LIEDES“ im Palast der Republik, der zweigeteilt war. In der ersten Hälfte traten auf: Barbara Thalheim und Quintett, Werner Bernreuther, Carola Kirschner, Gerhard Schöne und das Duo Piatkowski & Rieck. In der anderen Hälfte gab Herman van Veen mit Band das Konzert „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“.

Tonbeispiel: Kassetten-Mitschnitt-Fragmente vom Ende der Teilwiedergabe des DT64-Jugendkonzerts im Berliner Rundfunk

13.05.1982 – DT64-Jugendkonzert: BIG BAND INTERNATIONAL (Plan)

04.10.1982 – neue UKW-Frequenzen für das Abendprogramm:
UKW Leipzig 98,50 MHz zusammen mit „Messewelle“
UKW Marlow 95,55 MHz
UKW Putbus 91,50 MHz
UKW Schwerin 88,55 MHz zusammen mit „Ferienwelle“

31.12.1982 – DT64 mit spezieller Silvester-Sendung für Berlin „Rutsch mit Rock“ (DT auf UKW)

Tonbeispiel: DT64-Reporter Jörg Wagner besucht nach einem Aufruf die „beste Silvesterparty“ in der Nähe des Berliner Ostbahnhofs, Lange Straße 81


1983
28.02.1983 – DT64 wird über den bisherigen Ersatzsender des Berliner Rundfunks abgestrahlt: UKW Berlin-Köpenick 95,10 MHz

02.05.1983 – DT64-Versorgung über:
UKW Schwerin 88,55 MHz
UKW Marlow 95,55 MHz
UKW Putbus 88,60 MHz
UKW Berlin 95,10 MHz – stereo
UKW Leipzig 98,50 MHZ
UKW K.-Marx-Stadt 94,50 MHz
MW Güstrow 1602 KHz

07.05.1983 – Erstes gemeinsames Wochenendprogramm zwischen „Hallo- das Jugendjournal“ von „Stimme der DDR“ und DT64.

10/1983 – Das erweiterte Abendprogramm wird jetzt auch über UKW in Dresden abgestrahlt.


1984
04/1984 – Der UKW-Strahler in Löbau sendet das erweiterte DT64-Abendprogramm.

07.06.1984 – „Hallo und DT“ senden als „Festivalwelle DT64“ im „Gläsernen Studio“ aus dem Uhrenladen im Berliner Haus der Elektroindustrie am Alexanderplatz zum Nationalen Jugendfestival der FDJ in alter Pfingsttradition ein Sonderprogramm 80 Stunden bis Pfingstsonntag 10.06.1984 um Mitternacht.

Tonbeispiel: DT64-Moderatorin Christine Dähn mit der Begrüßung am 07.06.1984, 16 Uhr. Kurz vor Mitternacht am 10.06.1984 entstand die zweite Aufnahme u. a. mit dem DT64-Festival-Team um Moderator/Reporter Andreas Fürll: Hannelore Meyer (Heider), Tanja Braumann, Achim Dresdner, Bea Hoffmann, Karin Maas, Roland Schneider, Christine Dähn

27.07.1984 – „Hit-Sommernacht“ von 20:00-03:45 Uhr
11.08.1984 – „Rock um die Uhr“ 22:10-04:00 Uhr
07.09.1984 – „Kleine elektronische Nachtmusik“ 21:05-02:00 Uhr
05.10.1984 – „Metronom-Nacht“ 21:05-03:45 Uhr

11.10.1984
Tonbeispiel: DT64-Podiumdiskothek Ausgabe 282 mit Stefan Lasch (siehe 17.07.1973)

10.11.1984 – „Klassik-Nacht“ 20:00-02:00 Uhr
01.12.1984 – „Lieder-Nacht“ 20:00-02:00 Uhr
29.12.1984 – „Rock ’84“ 19:05-04:00 Uhr


1985
01.09.1985 – Abstrahlung des DT64-Programms vom Sender Berlin-Köpenick über 93,10 MHz:
Mo-Fr 16:00-23:30
Sa 14:00-23:30
So 15:35-23:30


1986
07.03.1986 – Aus „Jugendstudio DT64“ wird durch die Fusion mit „Hallo-das Jugendjournal“ vom Sender „Stimme der DDR“: „Jugendradio DT64“. Beginn der ersten Sendung mit „Auf Takt“ um 13:00 Uhr. Stefan Lasch moderiert. Übertragung zunächst über einen Mittelwellensender und 8 UKW-Strahler:
UKW Berlin V – 93,10 MHz – Kanal 20 – stereo
UKW Leipzig V – 98,50 MHz – Kanal 38 – stereo
UKW Schwerin V – 88,55 MHz – Kanal 5 – mono
UKW Putbus V – 88,60 MHz – Kanal 5 – mono
UKW Löbau V – 91,80 MHz – Kanal 16 – mono
UKW K.-Marx-Stadt V – 94,50 MHz – Kanal 25 – mono
UKW Marlow V – 95,55 MHz – Kanal 28 – mono
UKW Dresden V – 96,20 MHz – Kanal 31 – mono
MW Güstrow – 1602 KHz – mono

02/1986 – Inbetriebnahme neuer UKW-Sender.
UKW Dequede V – 101,0 MHz – ab 08/86 in stereo
UKW Brocken V – 101,4 MHz – ab 12/87 in stereo
UKW Inselsberg V – 102,2 MHz – ab 06/86 in stereo

09.03.1986 – Erste „Hallo“-Sportsendung frequenzbedingt nur auf „Stimme der DDR“

25.04.1986 – Fusionsfete von Hallo und DT64

15.06.1986 – DT64-Popcafé mit Peter Maffay; Moderation: Sylvia Hahnisch

26.06.1986 – Auftakt der Reihe „Mobil live“ zur Förderung der ‚Amateurtanzmusik‘. Junge Bands eines Bezirkes bekamen durch DT64 die Gelegenheit sich in einem Livekonzert zu präsentieren. („P16“, „Amor & die Kids“, „Studioteam“, „Funktaxi“ u.a.)

09/1986 – Beginn einer neuen Staffel von DT64-Jugendkonzerten


1987
05.04.1987 – Wiedergabe des Peter-Maffay-Konzerts zeitgleich mit dem Fernsehen

23.05.1987 – DT64 überträgt den Stereoton zur Fernsehpräsentation des Carlos-Santana Konzertes

08.08.1987 – Konzertübertragung von Barcley James Harvest (GB)

12.09.1987 – Konzertübertragung von Paco de Lucia (Spanien)/ John McLaughlin (GB)

02.10.1987 – DT64 erhält einen neuen Studiokomplex

17.10.1987 – Konzertübertragung Peter Hofmann (BRD)

28.11.1987 – Konzertübertragung George Moustaki (Frankreich)

01.12.1987 – Jugendradio DT64 beginnt um 04:00 Uhr mit einem täglichen 20-Stunden-Programm. Der Vormittag wird zunächst noch vorrangig mit Wiederholungen der Abendsendungen gespeist. Ausnahme: Donnerstag von 10:00-12:00 Uhr das Musikmagazin „Misch-Masch“ und Sonnabend 11:03-13:00 Uhr die internationale Hitparade „Hitglobus“, Konzertübertragung José Feliciano (Puerto Rico). Das DT64-Programm wird mit der Programm-Ausdehnung zum Sender und erhält eine eigene Intendanz. Berufung von Marianne Hoebbel zur Intendantin.


DT64-Programmschema ab 01.12.1987
DT64-Programmschema ab 01.12.1987


1988
07.03.1988 – Depeche-Mode-Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle

DT64-Musikjournalist Stefan Lasch berichtet von der Pressekonferenz zum Depeche-Mode-Konzert | Moderator im Studio: Andreas Ulrich | rec.: 07.03.1988

05.1988

FF dabei 21/1988, S. 40
FF dabei 21/1988, S. 40

FF dabei 21/1988, S. 39
FF dabei 21/1988, S. 39

11.06.1988 – DT64 überträgt das Konzert „Artists Against Apartheid“ für Nelson Mandela aus dem Londoner Wembleystadion zu Beginn der Veranstaltung aus ‚Vorsicht‘ noch zeitversetzt, da DT64 mit ARD-Stationen zusammengeschaltet ist und deren Kommentarton nicht über DT64 laufen soll, dann jedoch live, da nur die reine Musikleitung anlag mit Reportereinblendungen von DT64-Mitarbeiterin Petra Schwarz und vom Großbritannien-Korrespondenten des DDR-Rundfunks und ersten DT64-Chef Sigmar Krause.

16.06.-19.06.1988 – DT64 erwarb die Senderechte für eine Serie von Rockkonzerten auf der Berliner Radrennbahn Weißensee: u. a. mit Mr. Adapoe, Die Zöllner, NO55, The Wailers, Rainbirds, James Brown, Joe Cocker, Rockhaus, Voo Voo, Fisher Z, Marillion, City, Brian Adams, Heinz Rudolf Kunze, Bots

18.07.1988 – Sonderprogramm zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela, den er im Gefängnis verbringen musste. Kampfgefährten, Freunde, internationale Rock- und Popstars bekundeten in Wort und Musik ihre Sympathie mit dem ANC-Führer

19.07.1988 – Live-Übertragung des Rockkonzerts mit Bruce Springsteen und The E-Streetband


1989
02.01.1989 – Der DT64-Morgenrock sendet jetzt eine Stunde länger von 04:00-09:00 Uhr.

05.03.1989 – DT64 präsentiert Kool & The Gang in der Werner-Seelenbinder-Halle

04.10.1989 – Herman van Veen sagt auf DT64: „Ich werde die Mauer wegsingen“. Am Tag zuvor hatte die DDR-Regierung die Grenze zur CSSR geschlossen.

09.10.-11.10.1989 – Berichte vom Nationalen Dokumentarfilmfestival, auf dem sich deren Teilnehmer in einer Resolution u. a. für eine demokratische Kontrolle der Medien aussprechen.

16.10.1989 – erste Reportagen von der Leipziger Montagsdemo

08.11.1989 – der Leitung von DT64 wird durch die Belegschaft das Misstrauen ausgesprochen. Dietmar Ringel löst als Intendant Marianne Hoebbel ab. 20:03 Uhr Teilwiedergabe der Öffentlichen Lesung aus Walter Jankas Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ im Deutschen Theater.

10.11.1989 – Hannelore Heider und Hanno Harnisch melden sich nach der Maueröffnung mit Berichten aus Westberlin im Frühprogramm „Morgenrock“. DT64-Musikredakteur Lutz Schramm ist Studiogast beim SFB.

20.11.1989 – erste deutsch-deutsche Radio-Gemeinschaftssendung. SFB2-Morgenecho + DT64-Morgenrock strahlen gemeinsam eine Stunde Frühprogramm über ihre Frequenzen aus.

02.12.1989 – „Verlorene Lieder – verlorene Zeiten“- Bettina Wegner, Wolf Biermann, Stefan Krawczyk, Duo Pannach/Kunert spielen zum ersten Mal wieder in der DDR. Von den ‚Gebliebenen‘ mit dabei Barbara Thalheim, Gerhard Schöne, Kurt Demmler, Jürgen Eger, das Duo Wenzel/Mensching, Stefan Körbel und Matthias Görnandt. DT64 überträgt live aus dem Berliner „Haus der Jungen Talente“ (HdJT)


1990
01.01.1990 – Live-Funkbrücke DT64-„Riff“, dem Jugendmagazin vom WDR Köln zwischen 15:00-16:00 Uhr

23.01.1990 – 1. Gemeinschaftssendung mit dem Berliner Privatsender Radio 100

10.02.1990 – UKW-Sendernetz von DT64

01.04.1990 – DT64 schließt die Nachtlücke und wird ein 24-Stundenprogramm
Slogan: „… weil umschalten nervt.“
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DT64-Programmschema ab 01.04.1990
DT64-Programmschema ab 01.04.1990

06.04.-08.04.1990 – Ö3-Fest „Frühling in Berlin“ im Palast der Republik veranstaltet von ORF Wien, SFB2 und DT64

09.04.1990 – „Montags extra“ zum Prager Frühling 1968 mit Jürgen König

Sendernetz nach Juni 1990
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Buch zur Hitparade "Top 2000 D", Factor Verlag, Stuttgart, 1990
Buch zur Hitparade „Top 2000 D“, Factor Verlag, Stuttgart, 1990

17.08.-25.08.1990 – Top 2000 D – die längste Hitparade der Welt
Einwöchige Gemeinschaftssendung zwischen SDR 3 und DT64
Vgl.: Günter Schneidewind im Interview | rec.: Juni 2020 von Andreas Knedlik, digiandi.de

Trailer:

07.09.1990 – 20:00 Uhr wird DT64 zu Gunsten von RIAS 1 außerhalb von Berlin und Brandenburg abgeschaltet. Der Geschäftsführende Intendant des Rundfunks der DDR, Christoph Singelnstein (Foto links bei einer Erklärung kurz vor der Abschaltung) hatte mit RIAS-Intendant Helmut Drück eine Kooperation vereinbart. Die Folge war der Verlust von DT64-Frequenzen. An diesem Abend entsteht die Anfangsidee zur Gründung eines Vereins „Freunde des Jugendradios DT64 e. V.“, die in Dresden vom späteren Vereinsmitglied Achim Weber spontan aus dem Pulk von Demonstranten gegen die Aufschaltung von RIAS 1 geäußert wird.

Christoph Singelnstein - Thomas Klug - Andreas Ulrich | Foto: © Jörg Wagner
Christoph Singelnstein – Thomas Klug – Andreas Ulrich | Foto: © Jörg Wagner

08.09.1990 – 20:00 Uhr der Frequenzdeal wird nach Hörerprotesten durch DDR-Medienminister Dr. Gottfried Müller rückgängig gemacht Zu hören in dem Audio unten: Andreas Ulrich, Lutz Deckwerth, Thomas Braune und DT64-Fans. Die anschließenden Nachrichten sprach Heike Götz.

Collage mit Originaltönen vom 07-08.09.1990, sowie Erinnerungen von Zeitzeugen bzw. Akteuren:
* Christoph Singelnstein, Geschäftsführender Intendant des DDR-Rundfunks
* Helmut Drück, RIAS-Intendant
* Dietmar Ringel, bis Ende August 1990 DT64-Intendant, dann DT64-Redakteur
* Wolfgang Martin, stellv. DT64-Musikchef

mehr hier

07.10.1990 – Interview mit Manfred Ewald, abgelöster DTSB-Präsident


1991

Musikalische Unterstützung aus Thüringen „We want more DT64“ – No Name (siehe Angaben im Videobild)

10.04.1991 – neue UKW-Frequenz 101,6 MHz geht in Wittenberg/Sachsen-Anhalt für DT64 ans Netz (seit 1.1.1992 MDR-Life bzw. Jump)

18.05.1991 – DT64 Hitkarawane mit einem Sonderprogramm zu Pfingsten
Tonbeispiel: Wiedervereinigung der ehemaligen Radio“gegner“: Lord Knud (Evergreens a gogo/RIAS Berlin) und Helga Hahnemann (Helga’s Topmusike/Berliner Rundfunk), Moderation: Lutz Bertram; rec.: Take Five, Jugendradio DT64, 18.05.1991

„Am Pfingstsonnabend 1991, während der Hitkarawane von DT64, beschlossen die beiden Chemnitzer Forschungsstudenten Roland Kilper und Frank Strecker, die Sprüche von Lutz Bertram, Lord Knud und Helga Hahnemann aus dem Morgenprogramm noch im Ohr, dass es an der Zeit sei, eingedenk der RIASErfahrungen vorbeugende Maßnahmen zum Erhalt ihres Radios einzuleiten. Und kamen – wie in Deutschland gar nicht anders möglich – auf die Idee, erst einmal einen Verein zu gründen“ (Hilker/Müller/Plicka in: DT64 – Das Buch zum Jugendradio, Thom-Verlag, 1993: S. 169).

05.06.1991 – Veto-Diskussionsrunde „Ist der Osten noch zu retten?“

10.07.1991 – Öffentliche Anhörung der SPD-Fraktion zu DT64 im Hygienemuseum, das auch ein Regionalradiostudio für RADIO DDR beinhaltet

04.09.1991 – DT64 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin; Vorstellung des Dresdner Freundeskreises

13.09.1991 – „Piratenradiotag“
12 Stunden wird das Überleben von DT64 aus dem Untergrund als Piratenradio simuliert, als sinnliches Probe des Ernstfalls einer endgültigen Abschaltung am 31.12.1991. Irritierte Hörer fragen sich, seit wann im September „wegen beißender Kälte“ Glühwein gereicht wird.

Tonbeispiel: Kommentar von DT64-Chefredakteur Michael Schiewack nach dem Piratenradiotag (Anmoderation: Roland Schneider); rec.: 13.09.1991, 18:12 Uhr

Tonbeispiel: Marion Brasch und Uwe Wassermann nach dem Ende des Piratenradiotags

19.09.1991„Rund 76 000 Mark erbrachte bisher eine Spendenaktion, die der Berliner Jugendsender DT64 zur Hilfe für ein Tschernobyl-Opfer Ende August initiert hatte. Der vierjährige Igor Pataliej aus Kiew, der an Leukämie erkrankt ist, wird derzeit am Berliner Universitätsklinikum Charité betreut. Mit den Spenden wird die Behandlung bezahlt. (…) Die Aktion (…) wird von Sportlern, Künstlern und vielen Politikern unterstützt. Dazu gehören die Bundesministerin für Frauen und Jugend, Angela Merkel (CDU), der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, Rainer Ortleb (FDP), sowie die Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) aus Sachsen und Manfred Stolpe (SPD) aus Brandenburg.“ (dpa/bb, 13:08)

25.09.1991 – Diskussionsrunde zum Erhalt von Jugendradio DT64 organisiert vom Verein Freunde des Jugendradios e. V. Schwerin

16.10.1991 – David Bowie besucht das DT64-Studio: „Ich bin befremdet über die bevorstehende Abschaltung dieser einzigartigen deutschen Radiostation.“

David Bowie im Technikraum vom DT64-Sendestudio K6 | Foto: © Jörg Wagner
David Bowie im Technikraum vom DT64-Sendestudio K6 | Foto: © Jörg Wagner

16.11.1991
Demos zum Erhalt von DT64 „Keine Funkstille für die Jugend – Rettet DT64!“
Tonbeispiel: In der Rubrik „DT64-Mailbox“ im Programm von Jugendradio DT64 organisatorische Hinweise vom Verein „Freunde des Jugendradio DT64 e. V.“ zu Demos durch das Vereinsmitglied Achim Weber; rec.: 14.11.1991

22.11.1991
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29.11.1991
Abstimmung im Thüringer Landtag über DT64, Erfurt
Umfrage, hsf studentenradio e.V, TH Ilmenau
Interview Olaf Stepputat, FDP
Autor: Ch. Koch

13.12.1991 – MDR-Intendant Udo Reiter erklärt in einem Interview mit Stephan Grafen, der MDR sei bereit, DT64 zu übernehmen

20.12.1991 – DT64-Prominententag

21.12.1991 – DT64-Hitglobus mit Lutz Bertram (letzte Ausgabe)

26.12.1991 – 21-Uhr-Nachrichten mit Andreas Streblow und Parocktikum mit Lutz Schramm (letzte Ausgabe auf den Frequenzen von DT64)


1992
01.01.1992 – DT64 sendet auf 9 verbliebenen UKW-Frequenzen ab 00:00 Uhr weiter, in Berlin/Brandenburg erst ab 06:00 Uhr. 15:00 Uhr Zeitgeist mit Rockradio B, das fortan die Zeit bis 18:00 für ein eigenes Magazin nutzt und dafür DT64 abschaltet

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05.01.1992
Die Fortsetzung des DT64-Programms im abgewickelten Funkhaus Berlin mit vermindertem Personal, ohne die Ressourcen eines bisher gemeinsamen Funkhaus-Musikarchivs nutzen zu können, stellt das Team vor die Aufgabe, neue Sendungen zu gestalten. Eine davon ist die Hitparade „Hithammer“ (Idee und Realisierung: Andreas Ulrich/Jörg Wagner), die sich selbst als Hitparade nicht so ernst nimmt.
Tonbeispiel: Auftakt der ersten Sendung am 05.01.1992, Moderation: Andreas Ulrich

23.01.1992
Sendung „Querschläger“- „Was wird aus DT64?“, mdr Radio Thüringen, 20:05-22:00 Uhr (gekürzt um die Musik)
Diskussionsrunde mit:
* Matthias Gehler, Moderator, Programmchef mdr Thüringen
* Karola Sommerey, mdr-Hörfunkdirektorin
* Dirk Schmitz, Referatsleiter Medien, Staatskanzlei, Freistaat Thüringen
* Dr. Victor Henle, Direktor der Thüringer Landesanstalt für privaten Rundfunk (TLR)
* Olaf Stepputat, Mitglied des Thüringer Landtags, FDP
* Daniela Hofer (phonetisch), Aktionskreis DT64, Erfurt
* Ralf Mende (phonetisch), Sprecher des Aktionskreises DT64, Erfurt

19.06.1992
„Superradio 2000 O“, eine 13stündige Parodie auf den Privatfunk geht von 05:00 bis 18:00 Uhr auf Sendung. DT64 gibt seinen Hörern einen sinnlichen Eindruck von dem, was ab 01.07.1992 auf den DT64-Frequenzen zu hören sein könnte: „Gute Laune, wann immer sie wollen.“ Einige Hörer sind so irritiert, das sie besorgt bei DT64, beim MDR und bei einer Störannahmestelle anrufen.


30.06.1992
Letzter Sendetag auf UKW. Marion Brasch und Frank Aischmann verabschieden die UKW-Hörer kurz vor Mitternacht.

01.07.1992
00:00 Uhr, DT64 verliert alle UKW-Frequenzen. Die Mittelwelle 1044 KHz strahlt anstelle von MDR Info nun DT64 ab. Die Empfangsqualität im Sendegebiet des MDR (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt) ist unterschiedlich, gegenüber der UKW-Qualität jedoch überwiegend deprimierend. In Sendernähe ist der Empfang trotz des typischen, dumpfen Mittelwellen-Klangs durchaus akzeptabel. Frank Aischmann begrüßt in diesem Ausschnitt die Mittelwellenhörer, aufgenommen in Berlin.

07.08.1992
Empfangsbestätigungen aus Irland, London, Prag, Tirol, Korsika, Belgien, Schweden und vom ungarischen Balaton treffen bei DT64 in Berlin ein.

30.10.1992
Während des laufenden Sendebetriebs innerhalb der Sendung DX64-Klub Umschaltung der Mittelwellen-Antennen-Anlage 1044 KHz in Wilsdruff, um die beste Abstrahlungsvariante zu finden

Tonbeispiel: Moderator Jörg Wagner, Co-Moderator Claus Grote, Hörer Claus Plachetka, Herr Kaune von der Deutschen Telekom vor und nach der Antennenumschaltung in einem Mittelwellenmitschnitt

13.11.1992
Tonbeispiel: Bei Moderator Jörg Wagner und Co-Moderator Claus Grote zu Gast: Wolf-Dieter Behnke und Mario König von den Berliner Empfangsamateuren.
Die Aufnahme wurde mit einem DAT-Recorder am Signalausgang im Studio gemacht. Vereinzelte Störungen im Ton gehen wohl zu Lasten der Band-Alterung.


1993
01.03.1993
Fritz, das fusionierte Jugendprogramm von ORB und SFB (Rockradio B und Radio 4U) geht auf Sendung (u. a. auf der ehemaligen Berliner Frequenz von DT64 102,6 MHz).
DT64 wird ab 09:00 Uhr in den Tonunterträgern 7,38 und 7,56 MHz von Premiere via Astra 1B europaweit abgestrahlt. In der Sendung Take Five verkündet Katja Weise die erfolgreiche Aufschaltung.

30.04.1993

Ralf Bieniek – Johannes Paetzold | Dresden | rec. 30.04.1993, ab 19:03 Uhr

01.05.1993
DT64 wird in MDR Sputnik umbenannt. Prominente, wie hier z. B. im Audio der Journalist und ehemalige Ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, Günter Gaus, die Frontfrau von Silly, Tamara Danz und WDR-Journalist Klaus Bednarz übermitteln Grüße und Wünsche.



30.06.1993
Die Abstrahlung über die Mittelwelle 1044 KHz wird eingestellt. Mittelwellenaufnahme ab 23:54 Uhr. Frank Aischmann, Jörg Köhler. Trailer „Rock The Nation. Einfach nur sagen SPUTNIK“. Umschaltung auf MDR Info.

… wird weiter ergänzt.

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